Placebo - was ist an diesem Mythos dran?

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Re: Placebo - was ist an diesem Mythos dran?

Beitragvon Klaus » 04.03.2011, 14:36

Hallo Emil,

das Thema ist sehr spannend und ich konnte bereits viele Studien hierzu lesen.
Früher wurde oft abgewunken doch heute ist es mehr und mehr in den Fokus der Wissenschaft gerückt.
Auch die Gehirnforschung erforscht den Placebo-Effekt.

Das Wort „Placebo“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Ich werde gefallen“. Im 14. Jahrhundert wurde der Begriff für Klageweiber bei Begräbnissen verwendet.

Einer der frühesten Berichte über den Placeboeffekt in der Medizin datiert aus dem Jahr 1794. Damals machte der italienische Arzt Gerbi eine seltsame Entdeckung:

Wenn er einen schmerzenden Zahn mit den Absonderungen einer bestimmten Wurmart einrieb, verging der Schmerz für ein Jahr. Gerbi behandelte Hunderte Patienten mit dem Wurmsekret und hielt ihre Reaktionen schriftlich fest. Von seinen Patienten berichteten 68 %, dass auch bei Ihnen die Zahnschmerzen für ein Jahr verschwanden.
Und das, weil Gerbi und die Mehrheit seiner Patienten von der Wirkung überzeugt waren.

Die Wahrheit lautet: Placebos funktionieren durch die Kraft der Suggestion. Sie wirken, weil die Menschen an sie glauben.

Wenn der Geist durch negative Suggestionen die Gesundheit schädigt, nennt man das den Nocebo-Effekt.
Beispiel:
1974 diagnostizierte ein Arzt in den USA bei einem Patienten Speiseröhrenkrebs (zu dieser Zeit 100 % tödlich). Der Patient wurde behandelt und starb nach wenigen Wochen.
Die Überraschung war jedoch groß, als man bei der Autopsie nur sehr wenig Krebs in seinem Körper fand – zu wenig um daran zu sterben (Leber und Lunge) und keine Spur eines Speiseröhrenkrebses.

Der Arzt sagte nach der Autopsie:
„Er starb mit Krebs, aber nicht an Krebs.“

Laut einer englischen Studie verteilen über 2/3 der Ärzte regelmäßig Placebo-Pillen
(gilt auch bei Fehldiagnosen: Patienten die wegen einer Halsentzündung Antibiotika bekommen hatten, in Wirklichkeit eine Virusinfektion hatten, bei der ein Antibiotikum überhaupt nicht hilft).
Was sich hier zeigt ist, wie stark bei uns Menschen Mentales (Erwartungen), auf körperliche Reaktionen wirken. Dieselbe Substanz wirkt doppelt so stark, wenn sie über Spritzen statt über Tabletten verabreicht wird.
Auch die Farbe verändert die Wirkung. So erhöhen rote (wirkungslose) Pillen den Blutdruck, blaue senken ihn.

So - das reicht jetzt aber...obwohl ich noch vielmehr zum Thema schreiben kann.

Herzliche Grüße
Klaus
Klaus
PKV Kenner